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„Teufelstanz“: Kulturelle Auseinandersetzung zwischen Bolivien und Perú


Am kommenden 23. August 2009 findet der Miss-Universum-Wettbewerb auf den Bahamas statt, der bekannteste Schönheitswettbewerb der Welt. Die peruanische Vertreterin Karen Schwarz wird dabei in einer typischen bolivianischen Diablo-Tracht auftreten, was nicht nur Aufregung bei den Bolivianern ausgelöst hat, sondern auch offizielle Beschwerden auf internationaler Ebene. Es geht um das Urheberrecht an einem folkloristischen Werk, das als Ikone des Karnevals von Oruro in Bolivien bekannt ist.


Die Diablo-Tracht, die für die peruanische Schönheit ausgedacht wurde, ist ein Plagiat des Originalwerks, das von Jorge Vargas Luza im Jahre 1992 für die Diablada in Oruro, Bolivien konzipiert wurde. Die Diablada ist einer der wichtigsten und originellsten Tänze Boliviens, der auch außerhalb der Landesgrenzen sehr bekannt ist. Die Diablada ist gleichzeitig auch ein Symbol für den Karneval von Oruro, das den Kampf zwischen dem Erzengel Michael, der Candelaria-Jungfrau und den Teufeln symbolisiert.


Diese Auseinanerdersetzung ist nicht neu. Jahr für Jahr werden das Kulturgut und der Kunstschatz Boliviens missbraucht und ausgeplündert, was die bolivianischen Behörden, die für den Kulturbereich zuständig sind, immer wieder versuchen - mit mehr oder weniger Erfolg - zu verhindern. Um dieses Weltkulturerbe immer wieder zu verteidigen, melde auch ich mich zu Wort.


Oruro und sein Karneval


Oruro ist eines der neun Departamentos von Bolivien, das sich auf dem bolivianischen Hochland befindet. Seine Hauptstadt, Oruro, war während der Kolonialzeit und in den ersten Jahren der Republik eines der reichsten Bergbauzentren der Welt, zusammen mit Potosí. Zurzeit ist Oruro die Folklorehauptstadt Boliviens, so genannt nicht nur wegen seines Karnevals, sondern auch wegen der künstlerischen Fähigkeiten seiner Einwohner.


Der Karneval von Oruro wurde im Jahre 2001 von der UNESCO zum Immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Diese folkloristische Veranstaltung ist eines der wunderschönsten und prächtigsten Straßenspektakel der Welt. Mehr als 100.000 Touristen aus aller Welt werden jedes Jahr von der Berühmtheit des Karnevals von Oruro angelockt. Sie haben die Möglichkeit, mehr als 20.000 Tänzerinnen und Tänzer in bunten und originellen Trachten und Kostümen auf den Straßen zu sehen.


Der Karneval beginnt am ersten Sonntag im November mit der ersten Tanzprobe, das heißt mindestens 3 Monate vor dem großen Umzug oder der Tanzwallfahrt zu Ehren der Heiligen Jungfrau del Socavón.


Zwischen November und Februar kümmern sich die Tanzgruppen um ihre Kostüme und die Choreographien ihrer Tänze. Mehr als 20.000 Tänzerinnen und Tänzer, von denen viele noch Anfänger sind, nehmen an den Vorbereitungen für den Karneval teil. In dieser Zeit kann man auf den Straßen Oruros immer wieder Tanzproben der Tanzgruppen anschauen. Schon dann werden die Fußgänger von der Musik und den unterschiedlichen Rhythmen erfreut.


Das Karnevalsfest selbst, das jährlich im Februar oder März gefeiert wird, ist eines der wichtigsten heidnisch-religiösen Ereignisse Boliviens. Es hat im Laufe seiner Geschichte seine kulturellen Wurzeln behalten, an Schönheit und Berühmtheit aber noch zugenommen. Zurzeit gibt es ungefähr 60 folkloristische Tanzgruppen, die zu Ehren der Jungfrau Maria del Socavón tanzen. Aber nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer sind in Bewegung, sondern auch Hunderte von Handwerkerinnen und Handwerkern, die jedes Jahr mit ihren originellen und wunderschönen Masken und Stickarbeiten überraschen. Diese Handwerker arbeiten wirklich Tag und Nacht, um die Kostüme für mehr als 20.000 Tänzerinnen und Tänzer rechtzeitig fertig zu stellen.


La diablada


Die Diablada gehört wie die Morenada, Caporales, Llamerada, Kullawada, Tobas, Negritos de la Saya, Inkas, Suri Sicuris, Antawaras, Pujllay, Tinkus zu den vielen Tänzen, die während der Wallfahrt oder des Umzugs getanzt werden. Jeder Tanz, jedes Kostüm, jede Choreographie und jede Musik hat eine ursprüngliche und historische Bedeutung.



Die große Wallfahrt beginnt sehr früh am Samstag und dauert bis in die ersten Stunden des kommenden Tages, des Sonntags. Mit den reich bestickten Trachten, Kostümen und Masken tanzen die Tanzgruppen auf den Straßen, wo die mehr als 100.000 Touristen warten. Die Tanzstrecke ist mindestens sechs Kilometer lang und die Tänze dauern ungefähr acht bis neun Stunden.


Die große Wallfahrt endet mit dem Einzug der Tänzerinnen und Tänzer in die Kirche der Jungfrau María del Socavón. Alle Tänzer und Tänzerinnen sind glücklich, zufrieden und dankbar, weil sie ihre Wallfahrt zu Ende bringen konnten. Viele der Tänzer und Tänzerinnen, die zum ersten Mal dabei waren, versprechen der Jungfrau, drei Jahre hintereinander zu tanzen.


Vor diesem Hintergrund ist der bolivianische Unmut darüber verständlich, dass von den Bolivianern hoch geschätzte Symbole ihrer Volksbräuche einmal mehr aus deren Zusammenhang gerissen werden, um damit kommerzielle Schaustellungen zu dekorieren.


Bilder: FACL.

Artikel veröffentlicht in http://bolivien.mediaquell.com/

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