26 de julio de 2017

Segundo lugar en el concurso internacional de material didáctico del Alumniportal Deutschland

El Alumniportal Deutschland es un portal online que tiene como público meta a todas las personas en el mundo que hayan estudiado o trabajado en Alemania. Busca hacer que estas personas creen nuevas redes de contactos de todo tipo: cultural, científico, laboral, académico, de ocio, etc. El común denominador en todos los casos es la experiencia vivida en Alemania y la manera de mantenerla activa y de reproducirla a través de actividades diversas.
Desde hace varios años el portal de los exalumn@s de Alemania convoca a concursos internacionales para desarrollar propuestas, proyectos o ideas sobre temáticas actuales. Este 2017 el tema del concurso denominado Hands-on-project (Praxisprojekt) fue el de la Agenda 2030 y las metas globales de desarrollo sostenible. 
Después de dos meses de preparación de propuestas, hoy finalmente se dieron a conocer los resultados. El equipo conformado por Camilo Cárdenas (Venezuela) y por esta quirquincha servidora obtuvo el segundo lugar del certamen internacional.
Nuestra propuesta: Un cuento infantil ilustrado dirigido a escolares entre 6 y 7 años de edad y cuyos protagonistas son animales de nuestra región sudamericana en peligro de extinción. Aprovechamos para agradecer al artista venezolano Bó Cámuz por las hermosas ilustraciones que acompañaron nuestro prototipo ganador.


El Alumniportal Deutschland anunció el resultado del concurso en su cuenta de Twitter con nuestra imagen: 


Y aquí los comentarios del jurado calificador sobre nuestra propuesta:
What the jury says: "I really like the level of concrete planning of this proposal. The team has put lots of thoughts in the how and what and who and the medium of learning" "the learning material is closely adapted to the childrens’ interest and life world" "Very hands-on, feasible, much work to do regarding the concept" "An absolutely wonderful idea that is excellently created for this age group! Child implemented and very nicely illustrated, thus the children are definitely addressed and sensitized for this topic."
P.D. En el concurso del año pasado obtuvimos el primer lugar ;) 

21 de julio de 2017

Bolivien gewinnt den Wettbewerb Praxisprojekt 2016 vom Alumniportal Deutschland


Nach sechs Wochen harter Teamarbeit an unserem “digital storytelling”, bekamen wir endlich am 5. Dezember 2016 die gute Nachricht: das bolivianische Team hatte den vom Alumniportal Deutschland (https://www.alumniportal-deutschland.org/) organisierten Wettbewerb Praxisprojekt 2016 „Ortswechsel – Neue Wege gehen“ gewonnen.

Lorena Gumiel, Camilo Cárdenas y Ana Rosa López sind die Mitglieder des bolivianischen Teams, das nicht nur Bolivien, sondern auch Lateinamerika in diesem Wettbewerb repräsentierte. Zusammen mit der Protagonistin der digitalen Story, der Mexikanerin Victa Wewerinke, wurde die preisgekrönte Geschichte mit Fotos und Videos auf der Webseite des Alumniportal Deutschland veröffentlicht:
Den kompletten Text kann man auch hier weiterlesen.


Nirgendwo hinzugehören
Eine Multimedia-Geschichte von Lorena Gumiel, Victa Wewerinke, Camilo Cárdenas und Ana Rosa López Villegas
Als sie nach Hause zurückkam, fühlte sie sich alleine, unverstanden, nicht daheim und ihr deutscher Mann war «mexikanischer» als sie. Victa Wewerinke (31) ist nach acht Jahren Aufenthalt in Deutschland im Jahr 2015 nach Mexiko zurückgekehrt und genießt noch jeden Tag ihren interkulturellen Salat.
Warum bist du nach Deutschland gegangen und was hast du dort gemacht?
Victa Wewerinke: Weil mein deutscher Freund 2006 von Mexiko nach Deutschland zurückgegangen ist. Dort habe ich im Mai 2007 ihn geheiratet, dann einen Deutschkurs belegt, an einem Integrationskurs teilgenommen und sowohl meinen Studiengang International Business Management als auch mein Masterprogramm in European Studies abgeschlossen. Danach habe ich noch vier Jahre lang in der deutschen Firma Continental gearbeitet. Aber ich hatte immer die Idee, nach Hause zurückzukommen, ich vermisste mein Land sehr und nachdem ich alles, was ich in Deutschland vorhatte, erreicht hatte, war es mir langweilig. Ich fragte mich dann, was kommt jetzt? Und so ist auch die Entscheidung entstanden.
"Ohne Koriander und Petersilie gehen wir gar nicht!"
Welches war die wichtigste Herausforderung bei der Rückkehr in dein Heimatland?
VW: Außer Visum und Arbeitserlaubnis für meinen Mann in Mexiko, war unsere wichtigste Herausforderung, unsere Meerschweinchen Koriander und Petersilie nach Mexiko mitzunehmen. Solche Tiere sind keine gewöhnlichen Haustiere in meinem Heimatland und deshalb mussten viele Dokumente wie Impfpässe und Erlaubnisse jeder Art in Deutschland und in Mexiko organisiert werden. Bevor wir Deutschland verließen, mussten wir nicht nur unsere Wohnung, unsere Arbeitsplätze und die Krankenversicherung kündigen, sondern auch alle Verträge: von Handy, Fernsehen und Internet. So sind wir mit zehn 32-Kilo schweren Umzugskisten und zwei Meerschweinchen nach Mexiko aufgebrochen.
Erinnerst du dich an die erste Zeit in deinem Heimatland nach deiner Rückkehr von Deutschland? Was hast du anders vorgefunden?
VW: Meine Gegend, meine Stadt, meine Familie waren anders, aber vor allem hatte ich mich auch geändert. Dinge die mich früher nicht gestört hatten, störten mich, als ich nach Hause zurückkam. Einmal ging ich spazieren und einige Männer belästigten mich auf der Straße. Als ich mich bei einem Polizisten beschwerte, sagte er zu mir: Was wollen Sie denn, wenn Sie hier in einer kurzen Hose herumlaufen? Alles was für mich in Deutschland selbstverständlich war, war nicht mehr so in Mexiko. Ich fühlte, dass ich nicht mehr zu meinem Zuhause passte. So bereute ich am Anfang meine Entscheidung, nach Hause zurückgekehrt zu sein. Ich fühlte, dass ich nirgends hingehörte. Wenn du dich als Ausländer in Deutschland nicht anpassen kannst, denken die Deutschen, dass es so ist, weil du Ausländer bist. Aber wenn man nach Hause zurückkommt, erwarten die Menschen von dir, dass du dich einfach so anpasst, weil du in deinem Heimatland bist. Es gibt wenig Verständnis von der Seite der Familie und den Kollegen. Sie verstehen nicht, warum du so anders geworden bist. Und du verstehst auch nicht, wieso deine eigene alte Welt jetzt nicht mehr deine ist. Da mein Mann drei Monate vor mir nach Mexiko gegangen war, hatte er sich in dieser Zeit schon gut anpassen können, indem er sein Leben, seine Freunde, seine Arbeit und seine Freizeit organisiert hatte. Als ich dazu kam, war ich mehr Deutsche als Mexikanerin und ich fühlte mich alleine, unverstanden und nicht daheim. Mein Mann hatte immer Pläne für gemeinsame Wochenenden von uns mit Freunden, ich aber wollte nur ruhig zu Hause bleiben, so wie ich es aus Deutschland gewohnt war. Die Wiederanpassung in Mexiko war für mich genauso schwierig wie meine Anpassung in Deutschland.
"Deutschland ist hart"
Wie hast du deinen Aufenthalt in Deutschland ausgenutzt?
VW: Alles was ich heutzutage bin, verdanke ich erheblich meinem Aufenthalt in Deutschland. Am meisten habe ich vom Zwang zum Wettbewerb in Deutschland gelernt. Das Leben, das Wetter, die Menschen, die Ansprüche sind hart in Deutschland und immer muss man entscheiden: Stelle ich mich den Anforderungen oder nicht. Und genau das veränderte mich. So habe ich zum Beispiel nach zwei erfolglosen Versuchen eine wichtige mündliche Prüfung an der Uni bestanden. Vor der Prüfung konnte ich kaum schlafen und ich weinte viel, weil ich Angst vor dem Scheitern hatte. Aber ich schaffte es und dadurch habe ich auch gelernt, konkurrenzfähig zu sein.
Wenn du deinen Aufenthalt in Deutschland planen könntest und wieder nach Hause zurück kämst, was würdest du anders machen?
VW: Was würdest du anderen Rückkehrenden empfehlen? Ich würde vorher die deutsche Sprache lernen. Und wenn ich nochmal nach Hause zurückkäme, würde ich mein eigenes Unternehmen in Mexiko gründen und dementsprechend hätte ich meine Rückkehr auch finanziell anders geplant. Ich wollte immer mein eigenes Geschäft haben und da ich jetzt sowohl von Mexiko als auch von Deutschland viel gelernt habe, denke ich, dass diese gute Kombination sehr vorteilhaft wäre. Ich würde mich gern mit Gärtnerei oder ökologischem Gemüseanbau beschäftigen. Ich würde empfehlen, sich von Stereotypen und Erwartungen aller Art fern zu halten und offen für Entdeckungen zu bleiben.
"Ausländer raus!"
Wie war dein Erlebnis in Bezug auf den Kulturschock in Deutschland?
VW: Als ich in Deutschland ankam, erlebte ich einen großen Kulturschock. Als ich meinen Freund dort wiedertraf, dachte ich, dass er ein ganz anderer Mensch geworden war und nicht der Mann, den ich in Mexiko kennengelernt hatte. Ich fand auch seine Familie nicht so warmherzig wie meine. Die kleine Stadt, in der wir am Anfang gewohnt haben, war auch viel kleiner als meine große Heimatstadt Puebla in Mexiko. Für mich war alles einfach Neuland und es wurde am Anfang noch schwieriger, weil mein Freund seinen eigenen Wiederanpassungsprozess durchmachte. Als ich mich letztendlich anpassen konnte, ging es mir besser in Deutschland. Nach den ersten zwei schwierigen Jahren, konnte ich alles machen, was ich vorhatte.
Was kannst du über Diskriminierung in Deutschland erzählen?
VW: Ich hatte leider hässliche Erfahrungen mit Diskriminierung in Deutschland. Einmal brüllte mich ein alter Mann an einer Haltestelle an: Ausländer raus! Ein anderes Mal beschwerte sich ein Dozent im Unterricht über das niedrige akademische Niveau lateinamerikanischer Studenten. Aber das Schwierigste für mich war zu ertragen, was die deutschen Ehepaare über Kinder mit Migrationshintergrund meinten. Sie sagten, dass solche Kinder weniger Chancen in der Schule hätten. Das ärgerte mich sehr, vor allem, weil ich dachte, dass Kinder mit interkulturellen Familien nicht nur zweisprachig aufwachsen, sondern auch von zwei Kulturen zu Hause lernen können. Aus diesem Grund bekamen wir keinen Nachwuchs in Deutschland, ich wollte nicht, dass meine Kinder meinetwegen unterschätzt werden, nur weil ich Mexikanerin bin. Aber zusammengefasst kann ich auch nicht klagen. Ich konnte in Deutschland die Sprache lernen, an der Uni studieren und einen guten Job finden. Obwohl es sehr schwierig war, war es auch sehr bereichernd. 

Videos

(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 1 - 2017)  

8 de diciembre de 2016

„El Cachudo“, ein Überlebenskünstler

"El Cachudo", Edmundo Rengel
Edmundo Rengel ist ein sehr erfolgreicher Gabelstapler-Unternehmer in El Alto, dessen Leben immer von der Armut bedroht wurde. Seine Geschichte ist aber von Musik und von einer ungewöhnlichen Fähigkeit zu überleben geprägt. Auch wenn sein Schicksal schwarz wie die Nacht aussah, hat er nie aufgegeben.

Als der kleine Edmundo sechs Jahre alt war, sah er einmal seine Mutter in der Küche weinen. Sie kochte und dabei weinte und sang sie.
„Mama, warum weinst du?“, fragte er sie.
„Weil ich deinen Vater nicht mehr liebe“, antwortete sie.
Meine Mutter sang an diesem Tag voller Gefühl und Traurigkeit, erinnert sich Edmundo und er denkt, dass er von ihr die Leidenschaft für die Musik geerbt hat. „Meine Mutter hat immer gesungen und sie machte das gut. In ihrer Verbitterung sang sie peruanische Walzer, jedes Mal voller Gefühl“, erinnert er.

Edmundo Rengel Mejía ist am 16. November 1966 in La Paz geboren. „Ich bin ein 'Chukuta' vom Herzen“ sagt er lächelnd dazu. Dieses Jahr wird er 50 Jahre alt und seit 10 Jahren ist er ein erfolgreicher Gabelstapler-Unternehmer und bekannter Liedermacher und Musiker in El Alto.

Als Kind musste er öfters alleine mit seinem jüngeren Bruder zu Hause bleiben, da seine Eltern arbeiten gingen. Sein Vater war sehr streng, Edmundo fürchtete sich vor ihm. Einmal ist ein Messer zu Hause verloren gegangen und sein Vater forderte ihn auf, das Messer wieder erscheinen zu lassen. Der kleine Edmundo floh vor Angst von zu Hause, er ging alleine zu einer Tante auf der anderen Seite der Stadt. Er blieb da ein paar Tage, bis sein Vater sich wieder beruhigte.

„Wir waren arm“, erzählt er. Seine Mutter kriegte mal ein paar rote Mädchenschuhe, die Edmundo tragen musste, weil er keine anderen Schuhe hatte. „Wenn ich Brot kaufen musste, zog ich die Schuhe vor der Haustür aus und ging barfuß zur Bäckerei“, sagt er und lacht.

In seiner Freizeit spielte Edmundo mit kleinen Spielautos, die man mit Plastikbändern und Flaschendeckeln aus Metall baute und mit Murmeln. „Damals war mein Schicksal noch nicht bestimmt“, behauptet er.  

Als sein Vater eine bessere Beschäftigung in El Alto fand, zog die ganze Familie von La Paz nach El Alto um. Dort öffnete Edmundos Vater sein eigenes Karrosseriengeschäft und Edmundo lernte da nicht nur wie man Autos reparieren konnte, sondern auch zu verschweißen und Wagen zu malen. “Mein Vater war aber sehr unverantwortlich. Er hat nie an die Zukunft seiner Kinder gedacht, er ging lieber in die Bars und mit Freunden und gab so das ganze Geld aus“, meint Edmundo, der öfters seinen betrunkenen Vater von verschiedenen Lokalen abholen musste. Seine Mutter dagegen, hatte in El Alto einen kleinen Imbissstand. „Sie war immer fleißig und aktiv“, erinnert Edmundo.  
Gabelstapler-Firma, "La Muralla"
Nach seinem Schulabschluss konnte Edmundo endlich Musik machen. Er lernte selbst Gitarre, Charango und andere Musikinstrumente spielen. „Als elfjähriges Kind bekam ich mal von meiner Mutter eine kleine Zampoña (Panflöte) und eine kleine Quena (eine Art Flöte), die sie mal im Alasitas-Markt kaufte. 

Seine erste Musikgruppe hieß „Integración Andina“, sie spielt vor allem bolivianische Folklore Musik. Danach gründete er seine zweite Musikgruppe namens „La Muralla“, mit der er Cumbia-Musik auf verschiedenen Festen und Feiern spielte. Aber die Musik war nicht genug, um überleben zu können und Edmundo wusste das genau, deshalb fing er an, eine Arbeit zu suchen. Seine erste Beschäftigung war am Lenkrad eines Minibuses. Bei diesem Job lernte er auch Gewerkschaftsführer zu sein. Danach arbeitete er als Fahrer in der größten Brauerei Boliviens (Cervecería Boliviana Nacional). Wenn er da mal nichts zu tun hatte, lernte er einen Gabelstapler zu fahren. „Ich habe immer alles gefragt und war immer sehr neugierig. Und da, bei diesem Gabelstapler in der Brauerei hat mein Unternehmer-Schicksal angefangen“, sagt er. Als er dann entlassen wurde, kaufte er mit seiner Abwicklung ein gebrauchtes Auto und arbeitete als Taxifahrer.

1996 war er schon verheiratet und hatte 3 Kinder. Er wollte doch ein besseres Leben für seine eigene Familie schaffen und aus diesem Grund probierte er alle Beschäftigungen, die auf seinem Weg gestellt wurden: Schlosser, Schweißer, Verkäufer, Automechaniker, usw. Aber die Armut bedrohte immer sein Leben. „Einmal hatte ich kein Geld mehr und mit meinem Cousin habe ich einen herrenlosen Hund von der Straße geholt, es war ein Mischling, den wir gebadet und gepflegt haben und letztendlich verkauft haben“, erzählt er lachend. Ein anderes Mal sammelte er alle Metallreste, die er noch von anderen Arbeiten hatte und verkaufte sie in El Alto. „Ich habe dafür 60 Bolivianos bekommen und konnte damit Brot für meine Frau und meine Kinder kaufen“, erzählt er.

Seine jetzige Musikgruppe, "Integración Bolivia"
An einem Tag konnte er mit Hilfe seines Vaters einen gebrauchten Gabelstapler kaufen. Edmundo reparierte und malte die Maschine. „Ich konnte das alles selber machen, sogar den Gabelstapler fahren und bedienen, weil ich das gelernt hatte“, kommentiert er. Da begann sein Glück sich zu ändern. Für die ersten zwei Stunden Arbeit mit dem Gabelstapler verdiente er 600 Bolivianos. Er konnte es kaum glauben und entschloss seitdem nur mit dem Gabelstapler zu arbeiten. Da sein Geschäft immer besser und besser lief, kehrte er zu seiner Musikgruppe „La Muralla“ zurück. Er sang und spielte Musik jedes Wochenende und fing langsam an, seinen Gabelstapler zu vernachlässigen. „Ich erinnerte mich an meinen Papa und dachte über meine Verantwortung und mein Geschäft nach. Ich wollte doch das Leben meiner Familie verbessern und nicht wie mein Vater werden“ gesteht er. So musste er sich wieder von der Musik entfernen.

„Als ich vierzig Jahre alt wurde, hat Gott zu mir gesagt, du hast bis jetzt genug gelitten, jetzt bekommst du diesen Gabelstapler und kannst endlich dein Schicksal selber bestimmen. Gott segnete mich“, erzählt er und heutzutage ist Edmundo Rengel der stolze Besitzer von der Gabelstapler-Firma namens „La Muralla“ (genauso wie seine zweite Musikgruppe), Chef von vielen Mitarbeiter, Helfern und Sekretärinnen und außerdem hat er eine neue Folklor-Musikgruppe gebildet. „Ich liebe die Musik, die fließt mir im Blut, deswegen habe ich die Gruppe „Integración Bolivia“ gegründet. Ich verdiene kein Geld damit, aber ich kann da meine Leidenschaft erleben, Musik spielen und meine eigenen Kompositionen bekannt machen. Das macht mich unendlich froh“, betont er.

Edmundos Künstlername ist „El Cachudo“ (Mann mit Hörnern), so heißt auch eines seiner besten Hits, den er mit „Integración Bolivia“ produziert und sogar als Musikvideo gefilmt hat. „Mein guter Freund, der Liedermacher Victor Sarmiento von der Gruppe „Sangre Minera“ schrieb eine schöne Melodie aus Tarija für die Gruppe. Es ging um eine untreue Frau und eine unglückliche Liebe. Da ich das Lied singe, habe ich auch diesen Namen bekommen, es gibt keinen anderen Grund“, kommentiert er lustig.
Die Familie

„Gott hat mich mein ganzes Leben auf mein Schicksal vorbereitet und ich habe jede Möglichkeit ausgenutzt, um mein Leid zu vertreiben. Jetzt kann ich sagen, dass ich die Zukunft meiner vier Kinder gesichert habe, aber ich will ihnen nicht alles geben. Sie sollten doch selber wertschätzen, was Arbeit, Anstrengung und Bemühung im Leben bedeuten“, so endet er das Interview. Es war ein erstaunliches Gespräch mit einem Mann, der nie aufgehört hat, zu lernen und zu lächeln. 

(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 4 - 2016)  


5 de octubre de 2016

Der künstlerische Beitrag aus dem Beni

 Beni bietet nicht nur atemberaubende Landschaften, exotische Fauna und Flora und tropisches Klima. Aus Beni kommen auch bedeutende und sehr bekannte Künstler wie Schriftsteller, Geschichtsforscher, Theaterdirektoren und Schauspieler, sowie Musiker und Dichter. Die Auflistung könnte unzählige Blätter umfassen, deshalb haben wir uns auf fünf wichtige Kulturpersönlichkeiten konzentriert, und um ihren talentierten Beitrag zur bolivianischen Kultur zu würdigen, haben wir eine kurze aber intensive Recherche durchgeführt, deren Ergebnisse in den nächsten Zeilen zu lesen ist.  
*Luciano Duran Böger war einer der wichtigsten Schriftsteller, Romanautoren, Dichter und Essayisten des 20. Jahrhunderts. Er wurde in der kleinen Stadt Santa Ana del Yacuma in Beni am 12. November 1904 geboren und starb 1996 in La Paz. Wie eines seiner Enkelkinder uns bestätigte, war seine Mutter - Aurora Böger Rivero- deutsch-schweizer Herkunft. Jedoch war seine poetische Stimme vollkommen vom Beni geprägt: warm, überschwänglich und voller Licht, außerdem rebellisch und romatisch-revolutionär, und das kann man in diesem Vers spüren: „Viniste hacia mí con el tranquilo paso del agua entre las yerbas“ (Du kamst mit dem ruhigen Gang von Wasser durch das Gras zu mir).
*Eine andere Stimme aus dem Beni: “En las playas desiertas del Beni, un viajero de pálida faz, que al mecerse en su hamaca pensaba en su amor y su tierra natal” (An den einsamen Stränden von Beni, ein Reisender von blassem Gesicht, der sich in seiner Hängematte schaukelte und an seine Liebe und seine Heimat dachte). Obwohl dieser Liedtext von einem Autor aus Cochabamba stammt, wurde seine rhythmische Walzermelodie von Lola Sierra Chávez de Méndez komponiert und ist bis jetzt als der zweite Hymne in Beni berücksichtigt. Diese auffallende Komponistin, Autodidaktin, hervorragende Pianistin und Autorin kam am 24. Dezember 1914 in Trinidad, der Hauptstadt Benis zur Welt.
*Cachuela Esperanza (Stromschnellen der Hoffnung) war das Zentrum des bolivianischen Kautschuk-Imperiums zwischen 1872 und 1920. Dort erblickte Eugen Gomringer am 20. Januar 1925 das Licht der Welt. Der Dichter deutsch-schweizer Abstammung ist seit 1951 weltweit als der Vater der konkreten Poesie bekannt und sein Werk hat bis heute überwiegend in Deutschland gewirkt.
"Ich habe keine Erinnerungen, ich ging in die Schweiz als ich zweieinhalb Jahre alt war“, erzählte Gomringer 2013 über seinen Geburtsort Beni, immerhin weiß er noch, dass seine Haustiere ein Faultier und ein zahmer Tiger in Cachuela Esperanza waren. Wie er auch in seinem biografischen Bericht Kommandier(t) die Poesie! (2006) erklärte, wollte sein Vater nicht, dass sein Sohn im “Dschungel” aufwuchs, deshalb wurde Eugen zu seinen Großeltern in die Schweiz geschickt. Sein Vater kam nach Beni während des Kautschuk-Booms und heiratete eine “beniana” (eine Frau aus Beni), die nie lesen und schreiben lernte.
Gomringer, auch als „el beniano genial“ (der geniale Benianer) erkannt, lebt seit mehr als 40 Jahren in Deutschland und ist einer der bedeutendsten Lyriker und Kunstkenner der Gegenwart. Ein tolles Beispiel seiner konkreten Poesie ist seine Grammatische Konfession:
dabei sein mittun   
  
dabei sein
dabei gewesen
waren dabei
waren dabei gewesen

mittun
mitgetan
taten mit
hatten mitgetan
dabei sein mittun
dabei gewesen mitgetan

waren dabei taten mit
waren dabei gewesen hatten mitgetan
werden dabei sein
werden mittun
werden dabei gewesen sein
werden mitgetan haben

*Auch im 20. Jahrhundert gebar der Beni markante Literaten. Pedro Shimose Kawamura wurde am 30. März 1940 in der Mittelstadt Riberalta (hohes Ufer) geboren. Shimose ist einer der wichtigsten Schriftsteller, Dichter und bolivianischen Komponisten der Gegenwart in Bolivien. Seine Eltern waren Laida Kawamura Rodríguez und der japanische Auswanderer Ginkichi Shimose. Pedro Shimose war einer der wenigen bolivianischen Autoren, dessen poetisches Werk 1972 von dem renommierten literarischen Preis aus Kuba Casa de las Américas anerkannt wurde. Seine Poesie ist politisch inspiriert und dreht sich um nationale Identität und soziale Befreiung. Manche von seinen Bücher wurden ins Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Arabisch, Türkisch und Niederländisch übersetzt. Sein Gedicht Manifestación (Demonstration) schrieb er schon vor einigen Jahren, das Thema passt (leider) vollkommen auf die aktuelle Realität Boliviens:

Con la rabia en el ají,
salgo con mi cóndor bajo el brazo,
cruzo la calle con una piedra en la mano,
camino con un policía vigilándome el hambre,
busco el oído y el ojo de la noche,
pego carteles, corro por las plazas,
grito con una brasa en la lengua,
pinto las paredes: “viva el Che”
me dan agua en manguera,
soy el fuego;
me dan relámpago en humo,
soy la tierra;
me abren una herida donde sea,
soy el pueblo;
me persiguen, me encarcelan, me torturan.
Mit der Tollwut des Chili,
gehe ich mit meinem Kondor unter meinem Arm,
ich überquere die Straße mit einem Stein in der Hand,
ich laufe die Straße während ein Polizist meinen Hunger beobachtet,
ich suche das Ohr und das Auge der Nacht,
ich hänge Poster, und laufe durch die Straßen,
ich schreie mit Feuer in der Zunge,
ich streiche die Wände: es lebe der Che
ich bekomme Wasser aus dem Schlauch,
ich bin das Feuer;
ich bekomme Blitz in Rauch,
ich bin die Erde;
mir wird eine Wunde geöffnet
ich bin das Volk;
sie verfolgen mich, sie halten mich gefangen, sie foltern mich.

(Auszug von Manifestación)

*Seit über 40 Jahren steht David Mondacca auf der Theaterbühne in Bolivien und obwohl er seine ganze künstlerische Karriere überwiegend in La Paz machte und immer noch macht, liegt sein Geburtsort in Beni. Der introvertierte Junge Mondacca fing 1973 mit dem Theater an und seitdem hat er nie aufgehört. Seine erfolgreichsten Aufführungen waren die Trilogie über die Arbeit von Jaime Saenz, einem bekannten Autor aus La Paz, bestehend aus: No le digas (1998), Santiago de Machaca (2001) und Los cuartos (2004). 2011 präsentierte er das Theaterstück Aparapita (Gepäckverlader) basiert auf dem Roman Felipe Delgado von Jaime Saenz. Mondacca wurde 2004 als Theaterbotschafter für die Welt in den 15. Internationalen Theaterspielen in Puerto Montt, Chile nominiert. 2009 gewann er den Dramatikerpreis Adolfo Costa Du Rels mit seinem Werk El santo del cuerno (Der Heilige des Hornes), das Stück basiert auf einer Reihe von Lebenserfahrungen der Schuhputzer. Er ist auch in mehreren bolivianischen und internationalen Filmen aufgetreten (2003: Alma y el Viaje al Mar von Diego Torres; 1997: El Día Que Murió el Silencio von Paolo Agazzi; 1996: El Triángulo del Lago von Mauricio Calderón, u.a.). Er ist auch ein leidenschaftlicher Puppenspieler. Seine Arbeit ist tadellos, sowie er selbst sagt: “Somos efímeros como el teatro por eso hay que ser impecables“ (Wir sind kurzlebig wie das Theater und deshalb müssen wir tadellos sein).

Andere sehr bekannte Künstler aus Beni sind die Sänger Carmencita Justiniano und Miltón Cortez, die Geschichtsforscher José Chávez Suárez, Medardo Chávez und Manuel Limpias Saucedo, die Romanautoren Roger de Barneville, Víctor Hugo Libera und Ruber Carvahlo, die Erzähler Félix Bascopé, Gonzalo Cuéllar und Ignacio Callaú, die Dichter Fabian Vaca Chávez, Hormando Ortiz Chávez, Horacio Rivero Egüez und Mery Monje sowie die jüngere Generation von Nicómedes Suárez Araúz, Selva Velarde, Arnaldo Mejía, Homero Carvalho, Carolina Barthelemy, Roxana Selum und Rosario Aquin repräsentiert; die Essayisten César Chávez Taborga, Antonio Carvalho, Hugo Lijerón und Arnaldo Lijerón, der Plastiker Franklin Muñoz außerdem die Künstler Gil und Jorge Coimbra, José Moreno und Valia Carvalho.  



Quellen:


(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 3 - 2016) 

11 de septiembre de 2016

Schönstes Buch des Jahres: La vida de las cosas

Die Taschenlampe eines Überlebenden“ ist die Überschrift der ersten von den 50 Geschichten die das Buch „La vida de las cosas“ (Das Leben von den Dingen) vom spanisch-bolivianischen Chronist Alex Ayala beinhaltet. „Die erste Geschichte ist immer etwas Besonderes“, sagt der Autor zu dieser Chronik, in der er zum Teil die Odyssee von Minor Vidal erzählt, als er mit der Taschenlampe die unendliche Dunkelheit im Dschungel erhellen konnte, nachdem das kleine Flugzeug, in dem er flog, abstürzte. Er war der einzige Überlebende der Tragödie und die Taschenlampe blieb als Erinnerung in den Händen von Marco Alberto Montellano, der zu dieser Zeit als Berater des Verteidigungsministeriums die Suchaktion nach dem Flieger und Überlebenden mitorganisierte.
Das Buch
Alex Ayala beschreibt in diesem Buch die alltäglichen Manien und Erlebnisse von Abenteuern, Bohemien und Sammler sowie von Handwerker, Seiltänzern und Rentnern. Erlebnisse die in jedem Fall mit besonderen und eigenartigen Gegenständen zu tun haben. Eine Sammlung von 1.062 Bierdosen oder von mehr als 800 Kuscheltieren, ein Regal voller Accessoires von der weltbekannte Puppe Barbie oder  sind ein paar Beispiele davon.
La vida de las cosas“  wurde 2015 vom bolivianischen Verlag „El Cuervo“ veröffentlicht und Anfang 2016 den Sonderpreis "Schönste Buchproduktion" von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stiftung Buchkunst bekommen.
„Alltägliche Dinge, Fotos und Gebrauchsgegenstände, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu einem Baum der Erinnerung ansammelt, bilden das zentrale Thema dieser Veröffentlichung. Das innovative Design des Buches ist geprägt von ausdrucksstarken Schwarzweißaufnahmen, die der Autor wie ein Chronist gesammelt hat und die die Bedeutung der Gegenstände für den Besitzer in den Fokus stellen. Text und Abbildungen bilden eine außerordentlich gelungene Einheit“, so wurde das Buch von der Jury der UNESCO-Kommission bewertet.
Der Preis
Der Preis wird von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stiftung Buchkunst in Kooperation mit dem Einladungsprogramm für Verleger der Frankfurter Buchmesse alle zwei Jahre vergeben. Seit 1991 wird dieser Sonderpreis für ein herausragend gestaltetes Buch aus einem Land mit schwierigen Produktionsbedingungen. Kriterien dafür sind unter anderem das Layout, die Grafik und die Buchverarbeitung. Der Sonderpreis ist mit 1.000 Euro dotiert und soll den Verlag oder Buchkünstler in seiner Arbeit bestätigen und zur Entwicklung der Buchkunst anregen. Der Preis ging zuletzt im Jahr 2012 nach Chile. Der Sonderpreis ist ein Beitrag zur Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Vielfalt Kultureller Ausdrucksformen in und durch Deutschland.
Bücher aus folgenden Ländern wurden seit 1991 ausgezeichnet: Kolumbien, Indien, Jamaika, Ägypten, Simbabwe, Lettland, Russland, China, Armenien, Litauen, Weißrussland, Slowakei, Brasilien, Moldawien und Chile.

Der Verlag
El Cuervo ist ein achtjähriger Verlag, der in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Verlage Boliviens geworden ist. Das von Fernando Barrientos geleitete Verlagshaus kann man auch wie eine grundlegende Referenz für das Verständnis und Kenntnis der heutigen bolivianischen Literatur berücksichtigt werden, und ist auch ein gutes Beispiel von unabhängigen und unternehmerischen Einstellungen in der Region.
In der preisgekrönten Produktion des Buches “La vida de las cosas” haben die Designer Leandro Escobar und Paola Bacheler sowie die Fotografen A. Ayala, C. Lombardi, die Familie Galván und J.G. Estellano mitgewirkt.
Der Autor
Alex Ayala Ugarte ist ein gebürtiger Spanier, der aber ein bolivianisches Herz hat. Er war Direktor des Sonntagssupplements der bolivianischen Zeitung „La Razón“, Redakteur der Wochenzeitung „Pulso“ und Gründer von „Pie izquierdo“, die erste bolivianische Zeitschrift zum Thema narratives Journalismus.
Ayala schreibt auch regelmäßig für internationale Medien wie El País, Etiqueta Negra, El Malpensante, Emeequis, Virginia Quaterly Review, Internazionale, Esquire Latinoamérica und Anfibia. 2008 bekam er den Nationalpreis von Journalismus in Bolivien.
Quellen:

Otras voces y palabras

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