8 de diciembre de 2016

„El Cachudo“, ein Überlebenskünstler

"El Cachudo", Edmundo Rengel
Edmundo Rengel ist ein sehr erfolgreicher Gabelstapler-Unternehmer in El Alto, dessen Leben immer von der Armut bedroht wurde. Seine Geschichte ist aber von Musik und von einer ungewöhnlichen Fähigkeit zu überleben geprägt. Auch wenn sein Schicksal schwarz wie die Nacht aussah, hat er nie aufgegeben.

Als der kleine Edmundo sechs Jahre alt war, sah er einmal seine Mutter in der Küche weinen. Sie kochte und dabei weinte und sang sie.
„Mama, warum weinst du?“, fragte er sie.
„Weil ich deinen Vater nicht mehr liebe“, antwortete sie.
Meine Mutter sang an diesem Tag voller Gefühl und Traurigkeit, erinnert sich Edmundo und er denkt, dass er von ihr die Leidenschaft für die Musik geerbt hat. „Meine Mutter hat immer gesungen und sie machte das gut. In ihrer Verbitterung sang sie peruanische Walzer, jedes Mal voller Gefühl“, erinnert er.

Edmundo Rengel Mejía ist am 16. November 1966 in La Paz geboren. „Ich bin ein 'Chukuta' vom Herzen“ sagt er lächelnd dazu. Dieses Jahr wird er 50 Jahre alt und seit 10 Jahren ist er ein erfolgreicher Gabelstapler-Unternehmer und bekannter Liedermacher und Musiker in El Alto.

Als Kind musste er öfters alleine mit seinem jüngeren Bruder zu Hause bleiben, da seine Eltern arbeiten gingen. Sein Vater war sehr streng, Edmundo fürchtete sich vor ihm. Einmal ist ein Messer zu Hause verloren gegangen und sein Vater forderte ihn auf, das Messer wieder erscheinen zu lassen. Der kleine Edmundo floh vor Angst von zu Hause, er ging alleine zu einer Tante auf der anderen Seite der Stadt. Er blieb da ein paar Tage, bis sein Vater sich wieder beruhigte.

„Wir waren arm“, erzählt er. Seine Mutter kriegte mal ein paar rote Mädchenschuhe, die Edmundo tragen musste, weil er keine anderen Schuhe hatte. „Wenn ich Brot kaufen musste, zog ich die Schuhe vor der Haustür aus und ging barfuß zur Bäckerei“, sagt er und lacht.

In seiner Freizeit spielte Edmundo mit kleinen Spielautos, die man mit Plastikbändern und Flaschendeckeln aus Metall baute und mit Murmeln. „Damals war mein Schicksal noch nicht bestimmt“, behauptet er.  

Als sein Vater eine bessere Beschäftigung in El Alto fand, zog die ganze Familie von La Paz nach El Alto um. Dort öffnete Edmundos Vater sein eigenes Karrosseriengeschäft und Edmundo lernte da nicht nur wie man Autos reparieren konnte, sondern auch zu verschweißen und Wagen zu malen. “Mein Vater war aber sehr unverantwortlich. Er hat nie an die Zukunft seiner Kinder gedacht, er ging lieber in die Bars und mit Freunden und gab so das ganze Geld aus“, meint Edmundo, der öfters seinen betrunkenen Vater von verschiedenen Lokalen abholen musste. Seine Mutter dagegen, hatte in El Alto einen kleinen Imbissstand. „Sie war immer fleißig und aktiv“, erinnert Edmundo.  
Gabelstapler-Firma, "La Muralla"
Nach seinem Schulabschluss konnte Edmundo endlich Musik machen. Er lernte selbst Gitarre, Charango und andere Musikinstrumente spielen. „Als elfjähriges Kind bekam ich mal von meiner Mutter eine kleine Zampoña (Panflöte) und eine kleine Quena (eine Art Flöte), die sie mal im Alasitas-Markt kaufte. 

Seine erste Musikgruppe hieß „Integración Andina“, sie spielt vor allem bolivianische Folklore Musik. Danach gründete er seine zweite Musikgruppe namens „La Muralla“, mit der er Cumbia-Musik auf verschiedenen Festen und Feiern spielte. Aber die Musik war nicht genug, um überleben zu können und Edmundo wusste das genau, deshalb fing er an, eine Arbeit zu suchen. Seine erste Beschäftigung war am Lenkrad eines Minibuses. Bei diesem Job lernte er auch Gewerkschaftsführer zu sein. Danach arbeitete er als Fahrer in der größten Brauerei Boliviens (Cervecería Boliviana Nacional). Wenn er da mal nichts zu tun hatte, lernte er einen Gabelstapler zu fahren. „Ich habe immer alles gefragt und war immer sehr neugierig. Und da, bei diesem Gabelstapler in der Brauerei hat mein Unternehmer-Schicksal angefangen“, sagt er. Als er dann entlassen wurde, kaufte er mit seiner Abwicklung ein gebrauchtes Auto und arbeitete als Taxifahrer.

1996 war er schon verheiratet und hatte 3 Kinder. Er wollte doch ein besseres Leben für seine eigene Familie schaffen und aus diesem Grund probierte er alle Beschäftigungen, die auf seinem Weg gestellt wurden: Schlosser, Schweißer, Verkäufer, Automechaniker, usw. Aber die Armut bedrohte immer sein Leben. „Einmal hatte ich kein Geld mehr und mit meinem Cousin habe ich einen herrenlosen Hund von der Straße geholt, es war ein Mischling, den wir gebadet und gepflegt haben und letztendlich verkauft haben“, erzählt er lachend. Ein anderes Mal sammelte er alle Metallreste, die er noch von anderen Arbeiten hatte und verkaufte sie in El Alto. „Ich habe dafür 60 Bolivianos bekommen und konnte damit Brot für meine Frau und meine Kinder kaufen“, erzählt er.

Seine jetzige Musikgruppe, "Integración Bolivia"
An einem Tag konnte er mit Hilfe seines Vaters einen gebrauchten Gabelstapler kaufen. Edmundo reparierte und malte die Maschine. „Ich konnte das alles selber machen, sogar den Gabelstapler fahren und bedienen, weil ich das gelernt hatte“, kommentiert er. Da begann sein Glück sich zu ändern. Für die ersten zwei Stunden Arbeit mit dem Gabelstapler verdiente er 600 Bolivianos. Er konnte es kaum glauben und entschloss seitdem nur mit dem Gabelstapler zu arbeiten. Da sein Geschäft immer besser und besser lief, kehrte er zu seiner Musikgruppe „La Muralla“ zurück. Er sang und spielte Musik jedes Wochenende und fing langsam an, seinen Gabelstapler zu vernachlässigen. „Ich erinnerte mich an meinen Papa und dachte über meine Verantwortung und mein Geschäft nach. Ich wollte doch das Leben meiner Familie verbessern und nicht wie mein Vater werden“ gesteht er. So musste er sich wieder von der Musik entfernen.

„Als ich vierzig Jahre alt wurde, hat Gott zu mir gesagt, du hast bis jetzt genug gelitten, jetzt bekommst du diesen Gabelstapler und kannst endlich dein Schicksal selber bestimmen. Gott segnete mich“, erzählt er und heutzutage ist Edmundo Rengel der stolze Besitzer von der Gabelstapler-Firma namens „La Muralla“ (genauso wie seine zweite Musikgruppe), Chef von vielen Mitarbeiter, Helfern und Sekretärinnen und außerdem hat er eine neue Folklor-Musikgruppe gebildet. „Ich liebe die Musik, die fließt mir im Blut, deswegen habe ich die Gruppe „Integración Bolivia“ gegründet. Ich verdiene kein Geld damit, aber ich kann da meine Leidenschaft erleben, Musik spielen und meine eigenen Kompositionen bekannt machen. Das macht mich unendlich froh“, betont er.

Edmundos Künstlername ist „El Cachudo“ (Mann mit Hörnern), so heißt auch eines seiner besten Hits, den er mit „Integración Bolivia“ produziert und sogar als Musikvideo gefilmt hat. „Mein guter Freund, der Liedermacher Victor Sarmiento von der Gruppe „Sangre Minera“ schrieb eine schöne Melodie aus Tarija für die Gruppe. Es ging um eine untreue Frau und eine unglückliche Liebe. Da ich das Lied singe, habe ich auch diesen Namen bekommen, es gibt keinen anderen Grund“, kommentiert er lustig.
Die Familie

„Gott hat mich mein ganzes Leben auf mein Schicksal vorbereitet und ich habe jede Möglichkeit ausgenutzt, um mein Leid zu vertreiben. Jetzt kann ich sagen, dass ich die Zukunft meiner vier Kinder gesichert habe, aber ich will ihnen nicht alles geben. Sie sollten doch selber wertschätzen, was Arbeit, Anstrengung und Bemühung im Leben bedeuten“, so endet er das Interview. Es war ein erstaunliches Gespräch mit einem Mann, der nie aufgehört hat, zu lernen und zu lächeln. 

(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 4 - 2016)  


5 de octubre de 2016

Der künstlerische Beitrag aus dem Beni

 Beni bietet nicht nur atemberaubende Landschaften, exotische Fauna und Flora und tropisches Klima. Aus Beni kommen auch bedeutende und sehr bekannte Künstler wie Schriftsteller, Geschichtsforscher, Theaterdirektoren und Schauspieler, sowie Musiker und Dichter. Die Auflistung könnte unzählige Blätter umfassen, deshalb haben wir uns auf fünf wichtige Kulturpersönlichkeiten konzentriert, und um ihren talentierten Beitrag zur bolivianischen Kultur zu würdigen, haben wir eine kurze aber intensive Recherche durchgeführt, deren Ergebnisse in den nächsten Zeilen zu lesen ist.  
*Luciano Duran Böger war einer der wichtigsten Schriftsteller, Romanautoren, Dichter und Essayisten des 20. Jahrhunderts. Er wurde in der kleinen Stadt Santa Ana del Yacuma in Beni am 12. November 1904 geboren und starb 1996 in La Paz. Wie eines seiner Enkelkinder uns bestätigte, war seine Mutter - Aurora Böger Rivero- deutsch-schweizer Herkunft. Jedoch war seine poetische Stimme vollkommen vom Beni geprägt: warm, überschwänglich und voller Licht, außerdem rebellisch und romatisch-revolutionär, und das kann man in diesem Vers spüren: „Viniste hacia mí con el tranquilo paso del agua entre las yerbas“ (Du kamst mit dem ruhigen Gang von Wasser durch das Gras zu mir).
*Eine andere Stimme aus dem Beni: “En las playas desiertas del Beni, un viajero de pálida faz, que al mecerse en su hamaca pensaba en su amor y su tierra natal” (An den einsamen Stränden von Beni, ein Reisender von blassem Gesicht, der sich in seiner Hängematte schaukelte und an seine Liebe und seine Heimat dachte). Obwohl dieser Liedtext von einem Autor aus Cochabamba stammt, wurde seine rhythmische Walzermelodie von Lola Sierra Chávez de Méndez komponiert und ist bis jetzt als der zweite Hymne in Beni berücksichtigt. Diese auffallende Komponistin, Autodidaktin, hervorragende Pianistin und Autorin kam am 24. Dezember 1914 in Trinidad, der Hauptstadt Benis zur Welt.
*Cachuela Esperanza (Stromschnellen der Hoffnung) war das Zentrum des bolivianischen Kautschuk-Imperiums zwischen 1872 und 1920. Dort erblickte Eugen Gomringer am 20. Januar 1925 das Licht der Welt. Der Dichter deutsch-schweizer Abstammung ist seit 1951 weltweit als der Vater der konkreten Poesie bekannt und sein Werk hat bis heute überwiegend in Deutschland gewirkt.
"Ich habe keine Erinnerungen, ich ging in die Schweiz als ich zweieinhalb Jahre alt war“, erzählte Gomringer 2013 über seinen Geburtsort Beni, immerhin weiß er noch, dass seine Haustiere ein Faultier und ein zahmer Tiger in Cachuela Esperanza waren. Wie er auch in seinem biografischen Bericht Kommandier(t) die Poesie! (2006) erklärte, wollte sein Vater nicht, dass sein Sohn im “Dschungel” aufwuchs, deshalb wurde Eugen zu seinen Großeltern in die Schweiz geschickt. Sein Vater kam nach Beni während des Kautschuk-Booms und heiratete eine “beniana” (eine Frau aus Beni), die nie lesen und schreiben lernte.
Gomringer, auch als „el beniano genial“ (der geniale Benianer) erkannt, lebt seit mehr als 40 Jahren in Deutschland und ist einer der bedeutendsten Lyriker und Kunstkenner der Gegenwart. Ein tolles Beispiel seiner konkreten Poesie ist seine Grammatische Konfession:
dabei sein mittun   
  
dabei sein
dabei gewesen
waren dabei
waren dabei gewesen

mittun
mitgetan
taten mit
hatten mitgetan
dabei sein mittun
dabei gewesen mitgetan

waren dabei taten mit
waren dabei gewesen hatten mitgetan
werden dabei sein
werden mittun
werden dabei gewesen sein
werden mitgetan haben

*Auch im 20. Jahrhundert gebar der Beni markante Literaten. Pedro Shimose Kawamura wurde am 30. März 1940 in der Mittelstadt Riberalta (hohes Ufer) geboren. Shimose ist einer der wichtigsten Schriftsteller, Dichter und bolivianischen Komponisten der Gegenwart in Bolivien. Seine Eltern waren Laida Kawamura Rodríguez und der japanische Auswanderer Ginkichi Shimose. Pedro Shimose war einer der wenigen bolivianischen Autoren, dessen poetisches Werk 1972 von dem renommierten literarischen Preis aus Kuba Casa de las Américas anerkannt wurde. Seine Poesie ist politisch inspiriert und dreht sich um nationale Identität und soziale Befreiung. Manche von seinen Bücher wurden ins Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Arabisch, Türkisch und Niederländisch übersetzt. Sein Gedicht Manifestación (Demonstration) schrieb er schon vor einigen Jahren, das Thema passt (leider) vollkommen auf die aktuelle Realität Boliviens:

Con la rabia en el ají,
salgo con mi cóndor bajo el brazo,
cruzo la calle con una piedra en la mano,
camino con un policía vigilándome el hambre,
busco el oído y el ojo de la noche,
pego carteles, corro por las plazas,
grito con una brasa en la lengua,
pinto las paredes: “viva el Che”
me dan agua en manguera,
soy el fuego;
me dan relámpago en humo,
soy la tierra;
me abren una herida donde sea,
soy el pueblo;
me persiguen, me encarcelan, me torturan.
Mit der Tollwut des Chili,
gehe ich mit meinem Kondor unter meinem Arm,
ich überquere die Straße mit einem Stein in der Hand,
ich laufe die Straße während ein Polizist meinen Hunger beobachtet,
ich suche das Ohr und das Auge der Nacht,
ich hänge Poster, und laufe durch die Straßen,
ich schreie mit Feuer in der Zunge,
ich streiche die Wände: es lebe der Che
ich bekomme Wasser aus dem Schlauch,
ich bin das Feuer;
ich bekomme Blitz in Rauch,
ich bin die Erde;
mir wird eine Wunde geöffnet
ich bin das Volk;
sie verfolgen mich, sie halten mich gefangen, sie foltern mich.

(Auszug von Manifestación)

*Seit über 40 Jahren steht David Mondacca auf der Theaterbühne in Bolivien und obwohl er seine ganze künstlerische Karriere überwiegend in La Paz machte und immer noch macht, liegt sein Geburtsort in Beni. Der introvertierte Junge Mondacca fing 1973 mit dem Theater an und seitdem hat er nie aufgehört. Seine erfolgreichsten Aufführungen waren die Trilogie über die Arbeit von Jaime Saenz, einem bekannten Autor aus La Paz, bestehend aus: No le digas (1998), Santiago de Machaca (2001) und Los cuartos (2004). 2011 präsentierte er das Theaterstück Aparapita (Gepäckverlader) basiert auf dem Roman Felipe Delgado von Jaime Saenz. Mondacca wurde 2004 als Theaterbotschafter für die Welt in den 15. Internationalen Theaterspielen in Puerto Montt, Chile nominiert. 2009 gewann er den Dramatikerpreis Adolfo Costa Du Rels mit seinem Werk El santo del cuerno (Der Heilige des Hornes), das Stück basiert auf einer Reihe von Lebenserfahrungen der Schuhputzer. Er ist auch in mehreren bolivianischen und internationalen Filmen aufgetreten (2003: Alma y el Viaje al Mar von Diego Torres; 1997: El Día Que Murió el Silencio von Paolo Agazzi; 1996: El Triángulo del Lago von Mauricio Calderón, u.a.). Er ist auch ein leidenschaftlicher Puppenspieler. Seine Arbeit ist tadellos, sowie er selbst sagt: “Somos efímeros como el teatro por eso hay que ser impecables“ (Wir sind kurzlebig wie das Theater und deshalb müssen wir tadellos sein).

Andere sehr bekannte Künstler aus Beni sind die Sänger Carmencita Justiniano und Miltón Cortez, die Geschichtsforscher José Chávez Suárez, Medardo Chávez und Manuel Limpias Saucedo, die Romanautoren Roger de Barneville, Víctor Hugo Libera und Ruber Carvahlo, die Erzähler Félix Bascopé, Gonzalo Cuéllar und Ignacio Callaú, die Dichter Fabian Vaca Chávez, Hormando Ortiz Chávez, Horacio Rivero Egüez und Mery Monje sowie die jüngere Generation von Nicómedes Suárez Araúz, Selva Velarde, Arnaldo Mejía, Homero Carvalho, Carolina Barthelemy, Roxana Selum und Rosario Aquin repräsentiert; die Essayisten César Chávez Taborga, Antonio Carvalho, Hugo Lijerón und Arnaldo Lijerón, der Plastiker Franklin Muñoz außerdem die Künstler Gil und Jorge Coimbra, José Moreno und Valia Carvalho.  



Quellen:


(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 3 - 2016) 

11 de septiembre de 2016

Schönstes Buch des Jahres: La vida de las cosas

Die Taschenlampe eines Überlebenden“ ist die Überschrift der ersten von den 50 Geschichten die das Buch „La vida de las cosas“ (Das Leben von den Dingen) vom spanisch-bolivianischen Chronist Alex Ayala beinhaltet. „Die erste Geschichte ist immer etwas Besonderes“, sagt der Autor zu dieser Chronik, in der er zum Teil die Odyssee von Minor Vidal erzählt, als er mit der Taschenlampe die unendliche Dunkelheit im Dschungel erhellen konnte, nachdem das kleine Flugzeug, in dem er flog, abstürzte. Er war der einzige Überlebende der Tragödie und die Taschenlampe blieb als Erinnerung in den Händen von Marco Alberto Montellano, der zu dieser Zeit als Berater des Verteidigungsministeriums die Suchaktion nach dem Flieger und Überlebenden mitorganisierte.
Das Buch
Alex Ayala beschreibt in diesem Buch die alltäglichen Manien und Erlebnisse von Abenteuern, Bohemien und Sammler sowie von Handwerker, Seiltänzern und Rentnern. Erlebnisse die in jedem Fall mit besonderen und eigenartigen Gegenständen zu tun haben. Eine Sammlung von 1.062 Bierdosen oder von mehr als 800 Kuscheltieren, ein Regal voller Accessoires von der weltbekannte Puppe Barbie oder  sind ein paar Beispiele davon.
La vida de las cosas“  wurde 2015 vom bolivianischen Verlag „El Cuervo“ veröffentlicht und Anfang 2016 den Sonderpreis "Schönste Buchproduktion" von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stiftung Buchkunst bekommen.
„Alltägliche Dinge, Fotos und Gebrauchsgegenstände, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu einem Baum der Erinnerung ansammelt, bilden das zentrale Thema dieser Veröffentlichung. Das innovative Design des Buches ist geprägt von ausdrucksstarken Schwarzweißaufnahmen, die der Autor wie ein Chronist gesammelt hat und die die Bedeutung der Gegenstände für den Besitzer in den Fokus stellen. Text und Abbildungen bilden eine außerordentlich gelungene Einheit“, so wurde das Buch von der Jury der UNESCO-Kommission bewertet.
Der Preis
Der Preis wird von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stiftung Buchkunst in Kooperation mit dem Einladungsprogramm für Verleger der Frankfurter Buchmesse alle zwei Jahre vergeben. Seit 1991 wird dieser Sonderpreis für ein herausragend gestaltetes Buch aus einem Land mit schwierigen Produktionsbedingungen. Kriterien dafür sind unter anderem das Layout, die Grafik und die Buchverarbeitung. Der Sonderpreis ist mit 1.000 Euro dotiert und soll den Verlag oder Buchkünstler in seiner Arbeit bestätigen und zur Entwicklung der Buchkunst anregen. Der Preis ging zuletzt im Jahr 2012 nach Chile. Der Sonderpreis ist ein Beitrag zur Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Vielfalt Kultureller Ausdrucksformen in und durch Deutschland.
Bücher aus folgenden Ländern wurden seit 1991 ausgezeichnet: Kolumbien, Indien, Jamaika, Ägypten, Simbabwe, Lettland, Russland, China, Armenien, Litauen, Weißrussland, Slowakei, Brasilien, Moldawien und Chile.

Der Verlag
El Cuervo ist ein achtjähriger Verlag, der in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Verlage Boliviens geworden ist. Das von Fernando Barrientos geleitete Verlagshaus kann man auch wie eine grundlegende Referenz für das Verständnis und Kenntnis der heutigen bolivianischen Literatur berücksichtigt werden, und ist auch ein gutes Beispiel von unabhängigen und unternehmerischen Einstellungen in der Region.
In der preisgekrönten Produktion des Buches “La vida de las cosas” haben die Designer Leandro Escobar und Paola Bacheler sowie die Fotografen A. Ayala, C. Lombardi, die Familie Galván und J.G. Estellano mitgewirkt.
Der Autor
Alex Ayala Ugarte ist ein gebürtiger Spanier, der aber ein bolivianisches Herz hat. Er war Direktor des Sonntagssupplements der bolivianischen Zeitung „La Razón“, Redakteur der Wochenzeitung „Pulso“ und Gründer von „Pie izquierdo“, die erste bolivianische Zeitschrift zum Thema narratives Journalismus.
Ayala schreibt auch regelmäßig für internationale Medien wie El País, Etiqueta Negra, El Malpensante, Emeequis, Virginia Quaterly Review, Internazionale, Esquire Latinoamérica und Anfibia. 2008 bekam er den Nationalpreis von Journalismus in Bolivien.
Quellen:

9 de septiembre de 2016

Fliegende “Cholitas” in El Alto


Mariela ist 29 Jahre alt, sie arbeitet normalerweise als Krankenschwester und ist Mutter von einem Mädchen. Wie jede andere Mama, versucht Mariela täglich, das Beste für ihre Tochter zu schaffen und das bedeutet auch, sonntags auf dem Ring zu stehen, um zu kämpfen. So gehört Mariela, eigentlich als Benita, die Unberührbare bekannt, zu den bolivianischen „Cholitas Luchadoras“ (kämpfende Cholitas), die seit 2002 eine sehr unterhaltsame und gut besuchte Wrestling-Show in einer Sporthalle von El Alto liefern.
Neben Benita, die Unberührbare ringen auch Warita, die Süße, Juanita, die Zärtliche, Yolanda, die Liebliche, Carmen Rosa, die Meisterin und eine ganze Reihe von anderen Kämpferinnen, die in traditionellen Aymara-Trachten gekleidet kämpfen, bestehend aus mehrschichtigen feinen und modischen Röcken, "Polleras" auf Spanisch, steifen und teuren Hüten, bunten und schicken Schuhe, geflochtenen Zöpfen, auffälligem Schmuck, Make-up und bestickten Schals oder „Mantas“. Für das Freistilringen tragen sie nur kostspielige und traditionelle Kleidungsstücke, nur der Hut kann –je nach Qualität– ungefähr 400 Euro kosten- denn sie zeigen mit Stolz nicht nur ihre Aymara-Herkunft sondern auch ihre Weiblichkeit. 
Die Cholitas-Wrestling-Show wird jeden Sonntag von zahlreichen einheimischen und ausländischen Touristen gesehen, die nur 70 Bolivianos (ungefähr 10 Euro) für den Transport von der Stadt La Paz bis nach El Alto, die Eintrittskarte für das Spektakel, eine Portion Popcorn, ein Getränk und ein Souvenir bezahlen. In den letzten Jahren bieten die Reisebüros, die für die Cholitas-Wrestling werben, sogar eine Reiseführung auf Englisch.
Zwischen 100 und 200 Bolivianos bekommt eine Cholita für jede Show, deshalb ist das Ringen für viele Kämpferinnen nur ein Nebenjob. Das ist auch der Fall von Carmen Rosa, die Meisterin, die ihr eigenes Lokal in der Nähe von der gelben Linie der Seilbahn in El Alto geöffnet hat. Während sie typische Gerichte wie Fricasé (eine heftige Suppe aus Schweinfleisch) oder „Ají de fideo“ (ein scharfes Nudelgericht) kocht, denkt sie oft an die flinke Haltegriffe und an die akrobatischen Sprünge die sie auf dem Ring zu fliegen bringen.
Die „Cholitas Luchadoras„ sind hauptsächlich Hausfrauen, oder Händlerinnen die sich auch in einem Verband organisiert haben. Dadurch wollen sie ihre Arbeitsbedingungen als Kämpferinnen verbessern, z.B. eine Krankenversicherung haben oder einen eigenen Ring bauen. Wie Benita, die Unberührbare sagte, „alles ist anders auf dem Ring“ und sie verwandeln sich in andere Frauen wenn sie kämpfen. So bauen sie auch ihren Stress ab.
Die „Cholitas“ kamen  zum ersten Mal in den Ring um die Männershows ein bisschen aufzuheizen. Zunächst teilten sie sich die zusätzliche Show mit catchenden Zwergen und Freakshow-Riesen. Schon bald wurden sie zum Hauptakt und degradierten, die als Superhelden verkleideten Männer, zu Warm-up-Akte. Dank der „Cholitas“ hat Wrestling in Bolivien eine ungeahnte Beliebtheit erlangt. Cholitas, deren Polleras in die Luft schweben, Aymara-Frauen die eine solche außergewöhnliche Tätigkeit üben, kann man nur in Bolivien sehen.    
Die Show
Die Kälte um 16.30 Uhr am Sonntag in El Alto spürt man sofort. Um den Ring herum, den für die Wrestling-Show in einer Sporthalle gestellt wurde, stehen drei Reihen von gelben und weißen Plastik-Stühlen. Das ist die so genannte VIP-Zone, die für die ausländischen und einheimischen Touristen reserviert wird. Das Stammpublikum sitzt ein bisschen weiter vom Ring entfernt.
Nachdem die ersten Kämpfe zwischen Männern vorbei sind, werden die Cholitas Luchadoras mit großer Neugier und Emotion erwartet. Mit dem ansteckenden Rhythmus des Morenada-Tanzes (ein typischer Folkloretanz Boliviens) und sogar von einer kleinen Tanzgruppe begleitet, kommt zunächst mal Yolanda, die Liebliche in den Ring. Sie gehört zu den Guten, das Publikum erkennt sie schon und applaudiert ihren Eintritt mit Begeisterung. Ein paar Minuten später erscheint Benita, die Unberührbare, eine der bösen Kämpferinnen, die weder Yolanda noch das Publikum mag. Ausgebuht von den Besuchern, fängt Benita mit dem Schubsen und den Tritten auf dem Ring. Die Zuschauer flattern mit jedem Sprung und Haltegriff und tatsächlich werden fliegende Cholitas auf und über dem Ring gesehen.
Die Kampfrichter werden auch Teil der Inszenierung, sie kriegen nicht nur harte Schläge von den Kämpferinnen, sondern auch die Empörung des Publikums, wenn sie unerlaubte Handlungen nicht bestrafen.
Nach ungefähr zwei Stunden Kampf, erscheinen die Cholitas Luchadoras vor einem zufriedenen Publikum und sehen wieder elegant, gut angezogen und lächelnd aus. Eine lange Schlange von Touristen wartet auf sie, sie wollen unbedingt mit den kämpfenden Stars fotografiert werden. Während der Rückfahrt nach La Paz wird nur über die fliegenden Cholitas von El Alto gesprochen, eine bolivianische Erinnerung, die bleibt. 
Quellen:

(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 2 - 2016)

Otras voces y palabras

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