11 de septiembre de 2016

Schönstes Buch des Jahres: La vida de las cosas

Die Taschenlampe eines Überlebenden“ ist die Überschrift der ersten von den 50 Geschichten die das Buch „La vida de las cosas“ (Das Leben von den Dingen) vom spanisch-bolivianischen Chronist Alex Ayala beinhaltet. „Die erste Geschichte ist immer etwas Besonderes“, sagt der Autor zu dieser Chronik, in der er zum Teil die Odyssee von Minor Vidal erzählt, als er mit der Taschenlampe die unendliche Dunkelheit im Dschungel erhellen konnte, nachdem das kleine Flugzeug, in dem er flog, abstürzte. Er war der einzige Überlebende der Tragödie und die Taschenlampe blieb als Erinnerung in den Händen von Marco Alberto Montellano, der zu dieser Zeit als Berater des Verteidigungsministeriums die Suchaktion nach dem Flieger und Überlebenden mitorganisierte.
Das Buch
Alex Ayala beschreibt in diesem Buch die alltäglichen Manien und Erlebnisse von Abenteuern, Bohemien und Sammler sowie von Handwerker, Seiltänzern und Rentnern. Erlebnisse die in jedem Fall mit besonderen und eigenartigen Gegenständen zu tun haben. Eine Sammlung von 1.062 Bierdosen oder von mehr als 800 Kuscheltieren, ein Regal voller Accessoires von der weltbekannte Puppe Barbie oder  sind ein paar Beispiele davon.
La vida de las cosas“  wurde 2015 vom bolivianischen Verlag „El Cuervo“ veröffentlicht und Anfang 2016 den Sonderpreis "Schönste Buchproduktion" von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stiftung Buchkunst bekommen.
„Alltägliche Dinge, Fotos und Gebrauchsgegenstände, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu einem Baum der Erinnerung ansammelt, bilden das zentrale Thema dieser Veröffentlichung. Das innovative Design des Buches ist geprägt von ausdrucksstarken Schwarzweißaufnahmen, die der Autor wie ein Chronist gesammelt hat und die die Bedeutung der Gegenstände für den Besitzer in den Fokus stellen. Text und Abbildungen bilden eine außerordentlich gelungene Einheit“, so wurde das Buch von der Jury der UNESCO-Kommission bewertet.
Der Preis
Der Preis wird von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stiftung Buchkunst in Kooperation mit dem Einladungsprogramm für Verleger der Frankfurter Buchmesse alle zwei Jahre vergeben. Seit 1991 wird dieser Sonderpreis für ein herausragend gestaltetes Buch aus einem Land mit schwierigen Produktionsbedingungen. Kriterien dafür sind unter anderem das Layout, die Grafik und die Buchverarbeitung. Der Sonderpreis ist mit 1.000 Euro dotiert und soll den Verlag oder Buchkünstler in seiner Arbeit bestätigen und zur Entwicklung der Buchkunst anregen. Der Preis ging zuletzt im Jahr 2012 nach Chile. Der Sonderpreis ist ein Beitrag zur Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Vielfalt Kultureller Ausdrucksformen in und durch Deutschland.
Bücher aus folgenden Ländern wurden seit 1991 ausgezeichnet: Kolumbien, Indien, Jamaika, Ägypten, Simbabwe, Lettland, Russland, China, Armenien, Litauen, Weißrussland, Slowakei, Brasilien, Moldawien und Chile.

Der Verlag
El Cuervo ist ein achtjähriger Verlag, der in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Verlage Boliviens geworden ist. Das von Fernando Barrientos geleitete Verlagshaus kann man auch wie eine grundlegende Referenz für das Verständnis und Kenntnis der heutigen bolivianischen Literatur berücksichtigt werden, und ist auch ein gutes Beispiel von unabhängigen und unternehmerischen Einstellungen in der Region.
In der preisgekrönten Produktion des Buches “La vida de las cosas” haben die Designer Leandro Escobar und Paola Bacheler sowie die Fotografen A. Ayala, C. Lombardi, die Familie Galván und J.G. Estellano mitgewirkt.
Der Autor
Alex Ayala Ugarte ist ein gebürtiger Spanier, der aber ein bolivianisches Herz hat. Er war Direktor des Sonntagssupplements der bolivianischen Zeitung „La Razón“, Redakteur der Wochenzeitung „Pulso“ und Gründer von „Pie izquierdo“, die erste bolivianische Zeitschrift zum Thema narratives Journalismus.
Ayala schreibt auch regelmäßig für internationale Medien wie El País, Etiqueta Negra, El Malpensante, Emeequis, Virginia Quaterly Review, Internazionale, Esquire Latinoamérica und Anfibia. 2008 bekam er den Nationalpreis von Journalismus in Bolivien.
Quellen:

9 de septiembre de 2016

Fliegende “Cholitas” in El Alto


Mariela ist 29 Jahre alt, sie arbeitet normalerweise als Krankenschwester und ist Mutter von einem Mädchen. Wie jede andere Mama, versucht Mariela täglich, das Beste für ihre Tochter zu schaffen und das bedeutet auch, sonntags auf dem Ring zu stehen, um zu kämpfen. So gehört Mariela, eigentlich als Benita, die Unberührbare bekannt, zu den bolivianischen „Cholitas Luchadoras“ (kämpfende Cholitas), die seit 2002 eine sehr unterhaltsame und gut besuchte Wrestling-Show in einer Sporthalle von El Alto liefern.
Neben Benita, die Unberührbare ringen auch Warita, die Süße, Juanita, die Zärtliche, Yolanda, die Liebliche, Carmen Rosa, die Meisterin und eine ganze Reihe von anderen Kämpferinnen, die in traditionellen Aymara-Trachten gekleidet kämpfen, bestehend aus mehrschichtigen feinen und modischen Röcken, "Polleras" auf Spanisch, steifen und teuren Hüten, bunten und schicken Schuhe, geflochtenen Zöpfen, auffälligem Schmuck, Make-up und bestickten Schals oder „Mantas“. Für das Freistilringen tragen sie nur kostspielige und traditionelle Kleidungsstücke, nur der Hut kann –je nach Qualität– ungefähr 400 Euro kosten- denn sie zeigen mit Stolz nicht nur ihre Aymara-Herkunft sondern auch ihre Weiblichkeit. 
Die Cholitas-Wrestling-Show wird jeden Sonntag von zahlreichen einheimischen und ausländischen Touristen gesehen, die nur 70 Bolivianos (ungefähr 10 Euro) für den Transport von der Stadt La Paz bis nach El Alto, die Eintrittskarte für das Spektakel, eine Portion Popcorn, ein Getränk und ein Souvenir bezahlen. In den letzten Jahren bieten die Reisebüros, die für die Cholitas-Wrestling werben, sogar eine Reiseführung auf Englisch.
Zwischen 100 und 200 Bolivianos bekommt eine Cholita für jede Show, deshalb ist das Ringen für viele Kämpferinnen nur ein Nebenjob. Das ist auch der Fall von Carmen Rosa, die Meisterin, die ihr eigenes Lokal in der Nähe von der gelben Linie der Seilbahn in El Alto geöffnet hat. Während sie typische Gerichte wie Fricasé (eine heftige Suppe aus Schweinfleisch) oder „Ají de fideo“ (ein scharfes Nudelgericht) kocht, denkt sie oft an die flinke Haltegriffe und an die akrobatischen Sprünge die sie auf dem Ring zu fliegen bringen.
Die „Cholitas Luchadoras„ sind hauptsächlich Hausfrauen, oder Händlerinnen die sich auch in einem Verband organisiert haben. Dadurch wollen sie ihre Arbeitsbedingungen als Kämpferinnen verbessern, z.B. eine Krankenversicherung haben oder einen eigenen Ring bauen. Wie Benita, die Unberührbare sagte, „alles ist anders auf dem Ring“ und sie verwandeln sich in andere Frauen wenn sie kämpfen. So bauen sie auch ihren Stress ab.
Die „Cholitas“ kamen  zum ersten Mal in den Ring um die Männershows ein bisschen aufzuheizen. Zunächst teilten sie sich die zusätzliche Show mit catchenden Zwergen und Freakshow-Riesen. Schon bald wurden sie zum Hauptakt und degradierten, die als Superhelden verkleideten Männer, zu Warm-up-Akte. Dank der „Cholitas“ hat Wrestling in Bolivien eine ungeahnte Beliebtheit erlangt. Cholitas, deren Polleras in die Luft schweben, Aymara-Frauen die eine solche außergewöhnliche Tätigkeit üben, kann man nur in Bolivien sehen.    
Die Show
Die Kälte um 16.30 Uhr am Sonntag in El Alto spürt man sofort. Um den Ring herum, den für die Wrestling-Show in einer Sporthalle gestellt wurde, stehen drei Reihen von gelben und weißen Plastik-Stühlen. Das ist die so genannte VIP-Zone, die für die ausländischen und einheimischen Touristen reserviert wird. Das Stammpublikum sitzt ein bisschen weiter vom Ring entfernt.
Nachdem die ersten Kämpfe zwischen Männern vorbei sind, werden die Cholitas Luchadoras mit großer Neugier und Emotion erwartet. Mit dem ansteckenden Rhythmus des Morenada-Tanzes (ein typischer Folkloretanz Boliviens) und sogar von einer kleinen Tanzgruppe begleitet, kommt zunächst mal Yolanda, die Liebliche in den Ring. Sie gehört zu den Guten, das Publikum erkennt sie schon und applaudiert ihren Eintritt mit Begeisterung. Ein paar Minuten später erscheint Benita, die Unberührbare, eine der bösen Kämpferinnen, die weder Yolanda noch das Publikum mag. Ausgebuht von den Besuchern, fängt Benita mit dem Schubsen und den Tritten auf dem Ring. Die Zuschauer flattern mit jedem Sprung und Haltegriff und tatsächlich werden fliegende Cholitas auf und über dem Ring gesehen.
Die Kampfrichter werden auch Teil der Inszenierung, sie kriegen nicht nur harte Schläge von den Kämpferinnen, sondern auch die Empörung des Publikums, wenn sie unerlaubte Handlungen nicht bestrafen.
Nach ungefähr zwei Stunden Kampf, erscheinen die Cholitas Luchadoras vor einem zufriedenen Publikum und sehen wieder elegant, gut angezogen und lächelnd aus. Eine lange Schlange von Touristen wartet auf sie, sie wollen unbedingt mit den kämpfenden Stars fotografiert werden. Während der Rückfahrt nach La Paz wird nur über die fliegenden Cholitas von El Alto gesprochen, eine bolivianische Erinnerung, die bleibt. 
Quellen:

(Artículo publicado en Monatsblatt, publicación del Centro Cultural Alemán / No. 2 - 2016)

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